Verfahren: Radwege und Draisinen
Handlungsprogramm Alleenradwege
Idee. Etwa 600 Kilometer des hochverdichteten Streckennetzes des Landes werden nicht mehr für den Schienenverkehr genutzt und sind überwiegend der Natur überlassen. Die BEG hat mit dem Handlungsprogramm Alleenradwege einen Weg beschritten, um mindestens 300 Kilometern systematisch neues Leben einzuhauchen.
Radwege auf ehemaligen Bahntrassen können eine sichere Alternative zu stark befahrenen Straßen sein, Schulwege verbessern, Stadtteile aufwerten und verbinden, den Tourismus fördern und das vorhandene Radwegenetz hochwertig verdichten. Es gibt keine Störungen durch motorisierte Nutzer, keine Ein- und Ausfahrten, keinen Wirtschaftsverkehr, selten höhengleiche Kreuzungen, wenig Verkehrslärm und kaum Steigungen. Bisher nicht zugängliche Landschaftsräume werden für alle Generationen zu einem Erlebnisangebot.
Konzeption. Mit diesen Argumenten forderte der Landtag die Landesregierung im Oktober 2007 auf, ein konkretes Handlungs- und Maßnahmenkonzept vorzulegen. Bereits im Juni 2008 stellte das Ministerium für Bauen und Verkehr der Öffentlichkeit das Handlungsprogramm „Alleenradwege auf stillgelegten Bahnstrecken“ vor, mit einheitlichen Entwicklungsstandards für alle Strecken. Die BEG betreut und forciert das Handlungsprogramm für ganz Nordrhein-Westfalen.
Umsetzung. Die Umsetzungsphase begleitet die BEG mit einem umfassenden Gutachtenpaket:
- Prüfung und Planung baulicher Maßnahmen zur Abbindung der Strecken von aktiver Eisenbahninfrastruktur gem. EBA-Anforderungen
- Entwicklung und Visualisierung eines landschaftspflegerischen Leitbildes für jede Strecke
- Schotterbeprobung und -analyse
- Grundstückswertermittlung durch einen vereidigten Sachverständigen
- Begutachtung der Kunstbauwerke wie Tunnel, Viadukte, Brücken und Durchlässe zur Festlegung eines Ablösebeitrags der Deutschen Bahn AG.
Die Ergebnisse der Untersuchungen, Gutachten und Beratungsleistungen versetzen die Kommunen in die Lage, eine genaue Maßnahmen- und Kostenabschätzung vorzunehmen. Angesichts der belastbaren Erfahrungswerte zu den Herrichtungskosten von Radwegen auf Bahnstrecken unterstützt die BEG die Kommunen auch bei der Erstellung des Förderantrages. Während der gesamten Umsetzung stehen die Ansprechpartner der BEG Rat gebend zur Verfügung.
Draisinen
Draisinenbahnen als Freizeitangebot sind eine weitere strukturstärkende Alternative, um durchgehende Trassenbänder zu nutzen und Baudenkmäler wie Brücken und Viadukte zu sichern. Die Betreiber der deutschlandweit rund 20 Draisinenbahnen sind sowohl private Unternehmer als auch gemeinnützige Vereine oder regionale Touristikunternehmen. Das Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt bescheinigte dem westdeutschen Raum eine regelrechte Unterversorgung mit Draisinenangeboten.
Grenzland-Draisine. Abhilfe leistete die BEG zunächst mit der im April 2008 eröffneten Grenzlanddraisine. Gemeinsam mit der Stadt Kleve, der Gemeinde Kranenburg und der niederländische Grenzstadt Groesbeek suchte sie nach einer wirtschaftlich tragfähigen Lösung für den rund 15 km langen, vollständig erhaltenen Gleisabschnitt. Die von der BEG beauftragte touristische Potenzialabschätzung bescheinigte der Bahnstrecke einen attraktiven Verlauf durch barocke Gartenanlagen und Naturschutzgebiete. Zentrale Anfangs- und Endhaltepunkte mit einer komplett sanierte „Zentralstation“ in Kranenburg samt Gastronomie und modernem NABU-Besucherzentrum ließen eine hohe Nachfrage erwarten. Auch die technische Machbarkeitsstudie bestätigte die Umsetzungsfähigkeit eines Draisinenprojektes. Die finanzielle Förderung mittels der Euregio Rhein-Waal über das EU-Programm INTERREG IIIA befähigte die beteiligten Kommunen zum Erwerb der Liegenschaften von der BEG. Als Betreiber der Draisinenbahn gründeten drei Kommunen die gemeinsame Tochter „Grenzland-Draisine GmbH“.
Auenland-Draisine. Das praxiserprobte KnowHow der BEG aus dem ersten Draisinenprojekt kam postwendend einem Zweiten zu Gute: der Auenland-Draisine entlang einer ehemaligen Bahnstrecke von dem ostwestfälischen Rahden bis in das niedersächsische Hannoversch Ströhen, Gemeinde Wagenfeld. Auch hier lieferte die BEG die grundlegenden Entwicklungsvorleistungen, um die Draisine ins Rollen zu bringen: Sie beauftragte die Fachhochschule Erfurt mit einer fallbezogenen touristischen Potenzialanalyse. Das positive Ergebnis gab das Signal für weitere Maßnahmen. Die BEG ließ u.a. ein Sicherungskonzept für Straßen- und Wegekreuzungen erstellen und holte eine detaillierte Machbarkeitsstudie ein. Auch die grenzüberschreitenden Erfahrungen fanden erneut Anwendung: Die BEG erreichte in Kooperation mit der DB Services Immobilien, Niederlassung Hamburg, dass die Umsetzung der Draisine auf niedersächsischer Seite mit ebenso hoher Priorität voran getrieben wurde wie auf nordrhein-westfälischer.
Die europäische Gemeinschaftsinitiative LEADER+ unterstützt ambitionierte, qualitativ hochstehende Strategien zur regionalen Entwicklung des ländlichen Raumes und hat das Projekt in die Förderung aus dem Strukturfonds aufgenommen. Die koordinativen Leistungen des Kreises Minden-Lübbecke, die kommunalen Investitionen in den Streckenerwerb, die Unterstützung durch die BEG und die komplementäre Förderung der Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen können sich ab Ostern 2009 sehen lassen. Ein privater Betreiber eröffnet die Draisinenstrecke als umfassendes Freizeitangebot. Ab Herbst 2009 ist ein weiterer Spurwechsel möglich: eine neue "Moorbahn" soll dann durch die alte Kulturlandschaft führen.
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